Neue Chemieagenda der Bundesregierung: Von kurzfristiger Entlastung zu strategischer Unabhängigkeit und Resilienz
Copyright: VCI | Barbara König
Die heute veröffentlichte Chemieagenda der Bundesregierung setzt ein wichtiges und rechtzeitiges Signal: Kurzfristige Entlastungen für die chemische Industrie müssen konsequent mit einer langfristigen Transformationsstrategie verknüpft werden.
Der Übergang zu einer fossilfreien Produktion ist entscheidend, um externe Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz, Versorgungssicherheit und Klimaneutralität zu stärken.
Das PtX Lab Lausitz begrüßt ausdrücklich, dass die Chemieagenda die zentrale Rolle von Wasserstoff und seinen Derivaten für diese Strategie klar herausstellt. Ein wettbewerbsfähiger Zugang zu diesen Ressourcen ist – ebenso wie der zügige Ausbau der notwendigen Infrastruktur – eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Transformation.
Ebenso hervorzuheben ist die Bedeutung grüner Leitmärkte als wichtiges flankierendes Instrument zum EU-Emissionshandelssystem (EU ETS).
Das PtX Lab Lausitz begrüßt zudem die gemeinsame Initiative der Bundesregierung und der chemischen Industrie, konkrete Vorschläge zur Entwicklung von Leitmärkten für klimafreundliche Grundstoffe und industrielle Produkte zu erarbeiten. Besonders hervorzuheben ist, dass dieser Prozess auf dem Stakeholder-Dialog des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz aus dem Jahr 2024 aufbaut und damit eng mit den laufenden Verhandlungen zum Industry Accelerator Act (IAA) verzahnt ist.
Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung europäischer Koordination beim Aufbau strategischer Leitmärkte. Zentrale Plattformen sind hier die Critical Chemical Alliance (CCA) und ihre Arbeitsgruppe zu Leitmärkten. Als aktives Mitglied der CCA sieht das PtX Lab Lausitz dieses Forum als entscheidend an, um wirksame und skalierbare Lösungen auf europäischer Ebene zu gestalten.
Austausch beim Parlamentarischen Abend des VCI in Berlin
Die vorgenannten Themen standen auch im Mittelpunkt des Parlamentarischen Abends des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) am 25. März 2026 in Berlin. Dr. Sarah Bernhardt, Leiterin des Fachgebietes PtX Grundstoffe, diskutierte dort mit Vertretenden aus Politik, Industrie und Verbänden.
Der Austausch machte erneut deutlich, dass der Industriestandort Deutschland – und insbesondere die chemische Industrie – unter erheblichem Druck steht. Hohe Energiekosten, anspruchsvolle Investitionsbedingungen, regulatorische Komplexität und ein intensiver globaler Wettbewerb zählen weiterhin zu den zentralen Herausforderungen.
Vor diesem Hintergrund unterstreicht das PtX Lab Lausitz nochmals seine klare Position: Kurzfristige Entlastungsmaßnahmen müssen eng mit Transformationszielen verknüpft werden. Nur so können sie die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz schaffen.
In aktuellen Publikationen zeigt das PtX Lab Lausitz auf, wie dies gelingen kann – durch einen ausgewogenen Transformationsansatz auf Basis klarer politischen Leitprinzipien.
Zentrale Prioritäten für die Umsetzung der Chemieagenda
- Entlastung mit Transformation verknüpfen
Kurzfristige Unterstützungsmaßnahmen sollten direkt auf langfristige Transformationspfade einzahlen und keine isolierten, temporären Lösungen darstellen. - Wettbewerbsfähige fossilfreie Energieträger ermöglichen
Ein bezahlbarer Zugang zu Wasserstoff und erneuerbaren Energien ist entscheidend, um Abhängigkeiten zu reduzieren und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. - Infrastruktur zügig ausbauen
Der Ausbau von Wasserstoff-, Strom- und CCUS-Infrastruktur muss beschleunigt werden, um zentrale Engpässe bei der industriellen Transformation zu überwinden. - Grüne Leitmärkte schaffen und skalieren
Leitmärkte sind ein zentrales Instrument, um Nachfrage nach klimaneutralen Chemikalien zu erzeugen und Investitionen abzusichern. - Kritische Chemikalien und Wertschöpfungsketten sichern
Der Ausbau inländischer Produktionskapazitäten für strategisch wichtige Chemikalien stärkt Resilienz und wirtschaftliche Sicherheit. - Investitionsbedingungen verbessern
Verlässliche Förderinstrumente, schnellere Genehmigungsverfahren und regulatorische Klarheit sind notwendig, um private Investitionen in großem Maßstab zu mobilisieren. - Europäische Abstimmung sicherstellen
Nationale Maßnahmen sollten eng mit europäischen Initiativen – etwa zu Leitmärkten und dem Industry Accelerator Act – verzahnt werden, um Fragmentierungen zu vermeiden und Wirkungen zu maximieren.
Kontakt
Dr.
Sarah Bernhardt
Fachgebietsleiterin PtX Grundstoffe
+49 173 56 150 72
E-Mail schreiben
weitere Informationen