Markthochlauf für CCU-Chemikalien
Indikative Auswirkungen einer spezifischen Teilquote für Kunststoffe aus der Kohlenstoffabscheidung und -verwertung
Copyright: PtX Lab Lausitz
PtX Lab Analysis I 6/2026 I Thema: Nachhaltige Chemie I 22 Seiten
Als Beitrag zur Arbeit der Critical Chemicals Alliance (CCA) im Bereich der Leitmärkte für saubere Chemikalien untersucht die PtX Lab Analysis Markthochlauf für CCU-Chemikalien (engl. Creating Early Demand for CCU Chemicals), wie spezielle Teilquoten für die Kohlenstoffabscheidung und -verwertung (Carbon Capture and Utilisation, CCU) eine frühzeitige Nachfrage nach nachhaltigen Kohlenstoffprodukten schaffen und den Ausbau europäischer CCU-Wertschöpfungsketten unterstützen könnten.
CCU ist eng mit Power-to-X (PtX)-Verfahren verbunden, bei denen erneuerbarer Strom zur Erzeugung von grünem Wasserstoff durch Elektrolyse genutzt wird, der anschließend mit abgeschiedenem CO₂ kombiniert wird, um synthetische Kraftstoffe und chemische Ausgangsstoffe herzustellen. Diese PtX-basierten Verfahren ermöglichen die Umwandlung von CO₂ in nutzbare Kohlenstoffmoleküle wie Methanol, Kohlenwasserstoffe oder Zwischenprodukte für die Kunststoffherstellung und sind damit ein zentraler Weg zur Defossilisierung der chemischen Industrie.
Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus der ReFuelEU Aviation-Verordnung und den Quoten für strombasierte nachhaltige Flugkraftstoffe (electricity-based Sustainable Aviation Fuels, eSAF) untersucht die Analyse, ob gezielte nachfrageorientierte Instrumente dazu beitragen können, die Investitionsbarrieren zu überwinden, mit denen die ersten CCU Projekte im kommerziellen Maßstab konfrontiert sind.
Das PtX Lab Lausitz plädiert für eigene CCU-Teilquoten innerhalb der allgemeinen Quoten für nachhaltigen Kohlenstoff, da Transitionsszenarien der Europäischen Union (EU) zeigen, dass der Kohlenstoffbedarf durch CCU für eine vollständige Entfossilisierung des Chemiesektors strukturell unvermeidbar bleibt.
Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass eine exemplarische frühe CCU-Kunststoff-Teilquote von lediglich 1,8 % in den Bereichen Verpackung, Automobilindustrie und Bauwesen bis 2035 eine Nachfrage nach rund 0,7 Millionen Tonnen CCU-Kunststoffen schaffen, Investitionen in Höhe von 8–13 Milliarden Euro fördern und dazu beitragen könnte, den CCU-Einsatz um etwa ein Jahrzehnt zu beschleunigen. Die geschätzten Auswirkungen auf die Endverbraucherpreise bleiben marginal, wobei die Preissteigerungen bei repräsentativen Produkten deutlich unter einem Prozent liegen.
Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zur Debatte über marktgetriebene Instrumente, die die Wettbewerbsfähigkeit Europas, die Widerstandsfähigkeit der Industrie und den langfristigen Übergang zu einer fossilfreien chemischen Industrie stärken können – eine Debatte, an der sich das PtX Lab Lausitz im Rahmen der Arbeitsgruppe „Lead Markets“ der Critical Chemicals Alliance aktiv beteiligt.
Bibliographische Daten
- Publikation: Markthochlauf für CCU-Chemikalien. Indikative Auswirkungen einer spezifischen Teilquote für Kunststoffe aus der Kohlenstoffabscheidung und -verwertung
- Veröffentlichungsdatum: Juni 2026
- Herausgeber: PtX Lab Lausitz – Praxislabor für Kraft- und Grundstoffe aus grünem Wasserstoff, Calauer Straße 70, 03048 Cottbus
- Autor*innen: Lukas Horndasch, Dr. Henrik Basche, Dr. Sarah Bernhardt, Anita Demuth, Dr. Stefan Günthner, Dr. Harry Lehmann and Felix Schmermer
- Zitiervorschlag: PtX Lab Lausitz (2026): Markthochlauf für CCU-Chemikalien
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