27.11.2025 News PTX

Europas Weg zur klimaneutralen Luftfahrt

Flugzeugtankwagen auf der Rollbahn

PtX Lab Paper „Wie weit trägt Europas Flugkraftstoffwende?“ – ein Überblick zwei Jahre nach Inkrafttreten der ReFuelEU Aviation-Verordnung

Seit zwei Jahren bildet die ReFuelEU Aviation-Verordnung das rechtliche Fundament, um die Luftfahrt in der Europäischen Union (EU) bis 2050 in Teilen zu defossilisieren. Ziel ist ein einheitlicher Markt für nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) – der entscheidende Baustein, zur Senkung des CO₂‑Ausstoßes der Luftfahrt. Die Verordnung unterscheidet nachhaltige Flugkraftstoffe unter anderem in drei Kategorien: Biokraftstoffe für die Luftfahrt, synthetische Flugkraftstoffe sowie wiederverwertete kohlenstoffhaltige Flugkraftstoffe.

Alle nachhaltigen Flugkraftstoffe müssen im Vergleich zu fossilem Kerosin eine Treibhausgasreduktion von mindestens 65 bis 70 Prozent erreichen. Die ReFuelEU Aviation-Verordnung legt hierzu ab 2025 eine erste Beimischungsquote von zwei Prozent SAF fest. Bis 2030 soll dieser Anteil schrittweise auf sechs Prozent steigen, wobei 1,2 Prozent davon synthetisches SAF (eSAF) sein müssen. Im Jahr 2035 erhöht sich die Vorgabe auf 20 Prozent SAF, davon fünf Prozent eSAF. Für 2050 schreibt die Verordnung schließlich einen SAF-Anteil von 70 Prozent im gesamten Kraftstoffmix vor, mit einem verpflichtenden eSAF-Anteil von 35 Prozent.

Warum die Quote allein nicht ausreicht?

Trotz der ambitionierten Quoten gibt es Hemmnisse, die den SAF-Markthochlauf gefährden. Welche dies sind, beleuchtet die neueste Publikation des PtX Lab Lausitz, das PtX Lab Paper „Wie weit trägt Europas Flugkraftstoffwende? Zwei Jahre ReFuelEU Aviation-Verordnung“

Die Expert*innen des Lausitzer Kompetenzzentrums legen in dem Paper dar, dass fossile Flugtreibstoffe deutlich kostengünstiger sind. Wie ein technischer Bericht der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) zeigt, ist für keinen SAF‑Typ in absehbarer Zeit Preis‑ oder Kostenparität mit Kerosin zu erwarten. Ohne gezielte staatliche Förderungen bleibt die Wirtschaftlichkeit von SAF damit stark hinter den fossilen Marktpreisen zurück. Hinzukommt, dass Investitionen in SAF‑Anlagen gegenwärtig noch ein hohes wirtschaftliches Risiko bergen (sogenannte „First Mover Disadvantage“). Mithilfe geeigneter Instrumente lässt sich dies jedoch in einen Vorteil verwandeln, indem Unternehmen, die jetzt investieren, langfristig abgesichert werden. Auch die an vielen Flughäfen bestehende Marktprägung durch wenige Kraftstoffanbieter, die Preise weitgehend ohne intensiven Wettbewerb festlegen, mindert derzeit die Attraktivität von SAF.

Die Notwendigkeit flankierender Maßnahmen

Im SAF-Markt, der sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet und unter erheblichen Koordinationsproblemen leidet, können Quoten ein stabiles und verlässliches Nachfragesignal setzen und den Markthochlauf nachhaltiger Flugtreibstoffe ankurbeln. Nichtsdestotrotz braucht es flankierende Maßnahmen, um Europas Weg zur klimaneutralen Luftfahrt zu ebnen. 

In finanzieller Hinsicht könnten unkomplizierte Fördermechanismen die notwendigen Anreize für Investitionen schaffen. Denkbar wäre eine gezielte Förderung von Investitionsausgaben und Betriebskosten (CAPEX- und OPEX-Förderung) für eine begrenzte Zahl von Vorreiter*innen. Zudem könnten unter anderem Doppelauktionsmechanismen dazu beitragen, Preisunsicherheiten zu verringern. Auf regulatorischer Ebene kann die Flexibilisierung von Lieferketten zur Entstehung neuer Geschäftsmodelle beitragen. Eine Grundlage dafür können sogenannte Book & Caim (B&C)-Ansätze bilden. 

Wie weit trägt Europas Flugkraftstoffwende?

Die in der ReFuelEU Aviation-Verordnung festgelegten Quoten sind ein zentraler Baustein für den Markthochlauf nachhaltiger Flugkraftstoffe und damit für die Defossilisierung der Luftfahrt. Gleichzeitig bremsen Preis- und Produktionslücken, wirtschaftliche Risiken und bestehende Strukturen den Ausbau von SAF-Produktionskapazitäten deutlich. Um die erforderlichen Kapazitäten aufzubauen, braucht es gezielte Anschubfinanzierungen, wirksame Preisstabilisierungsmechanismen, virtuelle SAF-Märkte. Zusätzliche Maßnahmen sind daher notwendig, um den SAF-Markthochlauf ausreichend zu beschleunigen und die vorgegebenen Quoten verlässlich zu erreichen.

Kontakt

Anita Demuth
Fachgebietsleiterin PtX Mobilität
+49 152 28 400 735 E-Mail schreiben weitere Informationen

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