eSAF: strategische Notwendigkeit und Stresstest für die Klimapolitik Europas
Copyright: PtX Lab Lausitz / Sophie Kamrad
PtX Lab Lausitz diskutierte im Rahmen der EUSEW 2026 die Bedeutung nachhaltiger Kraftstoffe für den europäischen Klimaschutz, die Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit.
Am 10. Juni 2026 brachten das PtX Lab Lausitz und Transport & Environment (T&E) im Rahmen der EUSEW 2026 in Brüssel Mitglieder verschiedener Institutionen der Europäischen Union (EU) sowie Vertreter*innen der Industrie und der Zivilgesellschaft zu einer Veranstaltung zusammen, die sowohl aktuell als auch notwendig erschien.
Stresstest: Was muss die eSAF-Politik leisten
Felix Schmermer, Leiter des Fachgebiets PtX Policy und Markthochlauf im PtX Lab Lausitz, eröffnete die interaktive Diskussionsrunde unter dem Titel „Sustainable Aviation Fuels as a Stress Test for EU Decarbonisation Policy“ mit einer fundierten Analyse der Herausforderungen. Damit strombasierte nachhaltige Flugkraftstoffe (electricity-based Sustainable Aviation Fuels, eSAF) erfolgreich eingesetzt werden können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Sicherheit, Erschwinglichkeit, Versorgung sowie Kapazitäten innerhalb der EU. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, wird SAF zu einer gesetzlichen Auflage ohne marktfähige Produkte. Der Markthochlauf strombasierter Flugkraftstoffe muss aus diesem Grund sofort beginnen.
Copyright: PtX Lab Lausitz / Toni Kretschmer
eSAF is no longer just an aviation issue, but a stress test of how to introduce a product that is currently not price competitive but is needed. If this is a success, it can be replicated in other sectors like shipping or the chemical industry. (Original)
Vom Stresstest zur Substanz: Die offensichtlichen Kosten, Projektrisiken und das EU-Emissionshandelssystem
Mit Teilnehmenden aus der Europäischen Kommission und Vertreter*innen der gesamten eSAF-Wertschöpfungskette kam die Panelrunde schnell zum Wesentlichen. Die hohen Preise von eSAF und grünem Wasserstoff bleiben die zentrale Herausforderung, die es zu bewältigen gilt.
Darüber hinaus war die Risikominimierung bei Investitionen ein wiederkehrendes Thema. Diskutiert wurde, ob die derzeit entwickelten doppelseitigen Auktionsmechanismen ausreichend sind. Außerdem wurden kreativere Ansätze erörtert, darunter die Vorverlegung von ReFuelEU-Strafen, um Produzenten frühzeitig Einnahmensicherheit zu verschaffen:
- Laurent Donceel (Hydrogen Europe): ‘E-kerosene is probably the most complex hydrogen derivative and the most expensive, compared to ammonia, methanol and other industries. So, we need to get the price done.’ (Original)
- Gustav Granberg (IgnisP2X): ‘Lighthouse projects such as Eco2Fly demonstrate that Europe is building a competitive domestic eSAF industry. The immediate challenge is securing bankable offtake, and there is growing urgency to deploy market mechanisms, such as double-sided auctions, that can bridge the gap between producers and offtakers, unlock FIDs, and strengthen Europe's resilience and energy autonomy.’ (Original)
Die Frage, inwiefern die bevorstehende Überprüfung der Kriterien für die Wasserstoffproduktion im Rahmen von „AccelerateEU“ sowohl für regulatorische Klarheit als auch für Klimaintegrität sorgen kann, löste kontroverse Diskussionen aus.
- Eddy Liégeois (European Commission): ʽWe need more flexibility for the production of hydrogen. Because we need to create a market and to make sure airlines remain competitive.’ (Original)
Die Überarbeitung des Emissionshandelssystems (EU-ETS) löste ebenso heftige Debatten aus, wobei die Diskussionsteilnehmenden unterschiedliche Ansichten darüber vertraten, wie internationale Flüge behandelt werden sollten und was dies für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Luftfahrtbranche bedeutet:
- Aurelia Leeuw (Opportunity Green): ʽWe need to extend the EU ETS to international aviation. The ETS has shown that it can generate 50% emission reductions overall. But in aviationn it doesn’t do so, because it simply does not apply to the majority of the sector’s emissions.’ (Original)
- Anna Sotianemi (Finnair): ʽWe see eSAF as a long-term opportunity for energy independence in Europe – homemade eSAF.’ (Original)
Camille Mutrelle (T&E) fasste die größten Spannungen zusammen und schloss den Meinungsaustausch mit dem Aufzeigen notwendiger Handlungsschritte. Ein passender Abschluss für eine aktuelle und notwendige Diskussion.
Das Team des PtX Lab Lausitz dankt den Teilnehmenden des Panels, Damien Meadows (Europäische Kommission) für seine präzise und pointierte Moderation sowie T&E für die gemeinsame Organisation der Diskussionsrunde.
Kontakt
Felix Schmermer
Fachgebietsleiter PtX Policy & Markthochlauf
+49 162 72 44 695
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